Newsletter 01/2011
Hallo alle zusammen,
wir haben den Winter überstanden – auch im Hinblick auf die Ablösung der alten „captura-Haut“ und der damit einhergehenden Unsicherheit. Die Geschichte hier scheint mit uns noch weiter gehen zu wollen und inzwischen beginnt die Bildung einer neuen Haut unter dem Arbeitstitel „Freiraum Hugoldsdorf“.
Ja, und dann ist da im Februar ein Kind gekommen, und ich hoffe es wußte, wo es hin wollte. Friedel und ich haben am 22. Februar um 16.17h bei 25°(drinnen) und Sonnenschein hier, in unser endlich fertig gewordenen Wohnung, Emil Elias auf die Welt geholfen.
Damit ganz viele Grüße aus dem gerade aus dem Winterschlaf erwachenden Hugoldsdorf,
Florian
Wo stehen wir?
Zuerst einmal stehen wir nach wie vor, vor einem Rätsel. Wobei es treffender wäre zu sagen, wir leben mit etwas Rätselhaftem. Dieses Rätselhafte ist zunächst der einzelne Mensch, insbesondere im Hinblick auf seine Zukunft, auf seine werdende Lebensgeschichte. Zusammen mit der Idee des Freiraums hat sich auf dieser Grundlage ein soziales Milieu gebildet, eine bestimmte Art von Kultur in der z.B. Vertrauen, Freiwilligkeit und Erwartungslosigkeit wesentliche Merkmale sind. Dieses Milieu, dieser Soziale Raum, der durch die einzelnen Menschen, die sich in ihm ergreifen, gebildet wird, ist unser Kernanliegen. Dieses soziale Feld ist es, was wir, soweit es mit den jeweiligen konkreten Bedingungen möglich ist, Anderen zur Verfügung stellen wollen.
Wobei es natürlich nicht so ist, dass man sagen könnte, diejenigen, die hier fest wohnen z.B., stellen dieses Feld hin und die Anderen die dazu kommen nutzen es. So einfach ist es nicht. Jeder Einzelne bildet eine eigene Seite in diesem Raum, der sich dadurch ständig verändert. Es ist ein dynamisches Gebilde für dessen Kontinuität und Gedeihen wir uns verbindlich einsetzen wollen.
Und dieses Wir sind eben noch mehr Menschen, als wir drei, Maria, Friedel und Florian, die wir 2007 mit dem Namen captura hierher kamen und uns sehr deutlich als Wir, als Arbeitsgemeinschaft, empfanden und auch so angesprochen wurden. Natürlich haben wir drei nach wie vor unsere durch captura gewachsene Verbindung, gemeinsame Blicke auf Dinge oder Themen, die uns wichtig sind – nicht zu vergessen die besondere Vertrautheit untereinander. Es fühlt sich nach einer Häutung an, die der Gegenwart angemessenere, neue Formen zur Entfaltung bringt - auf der gleichen, sich weiter entwickelnden Grundlage. Diese Grundlage wird gebildet durch die Idee des Freiraums, die soziale Tatsächlichkeit desselben in Hugoldsdorf, Gebäude und Gelände und natürlich uns selbst und alle beteiligten Personen.
Wo stehen wir?
Wenn man beim Gutshaus anfängt ist im Moment die Situation so, dass mit inzwischen 13 dauerhaften Bewohnern immerhin noch 4 Räume zum Übernachten zur Verfügung stehen. Damit ist aber auch ein Ende erreicht, sprich wir wollen nicht, dass es irgendwann keine Zimmer für Gäste mehr gibt.
Die zwölf Menschen die zur Zeit dauerhaft hier sind: Maria, Friedel und Florian, letztere inzwischen mit dem kleinen Emil, dann Nils, Yago und Simon, die drei Jungs aus dem Ruhrpott, Siggi aus Hamburg die im Herbst dazu kam, Gottfried inzwischen dauerhaft, seine Frau Jutta, Liilá die Koreanische Malerin und Übersetzerin, Claudia aus Freiburg und Hans aus Leipzig, der auch im Herbst dazu kam.
Die Perspektive im alten Gutshaus weiter Raum zu schaffen gibt es nach wie vor, nur steht es im Moment anscheinend noch nicht an. Die vorhanden Kräfte und finanziellen Mittel laufen erstmal weiter ins Gutshaus und in Garten und Park. Mit der Heizung und der Pflanzen-Kläranlage stehen zwei ziemlich große Projekte an und im Gutshaus warten noch einige Räume auf ihre Renovierung.
Die Betriebskosten tragen sich nach wie vor – enger sieht es bei den Investitionsmitteln aus. Seit Herbst haben wir ein Konto bei der Deutschen Stiftung Denkmalschutz für die Gutsanlage Hugoldsdorf auf dass man spenden kann und die Idee einer eigenen, nicht rechtsfähigen Stiftung ist weitergereift und wird demnächst in Erscheinung treten. Mehr dazu bald.
Auch Thema ist natürlich immer wieder die Frage nach Einkommensgeld. Maria brachte das in einem Gespräch neulich schön auf den Punkt: „Hier braucht man Geld, um arbeiten zu können.“ Mit „Arbeit sucht Einkommen“ haben wir ja für uns drei einen ersten Ansatz. Inzwischen habe ich auch die dazugehörige Internetseite neu aufgestellt und denke dass wir dafür in Zukunft auch wieder mehr Werbung machen. Aber es ist einfach eine besondere Herausforderung, das es hier weder Arbeitsplätze, Studienplätze oder Ausbildungsplätze gibt – vor allem in ihrer Eigenschaft, Einkommensplätze zu sein. Ob man unseren Freiraum BAföG-fähig bekommt, ohne ihn kaputt zu machen, bezweifeln wir stark.
Im Großen und Ganzen habe ich den Eindruck, haben wir den Stier in den letzten drei Jahren bei den Hörnern zu packen bekommen und können jetzt klarer eine Richtung einschlagen; deutlicher herausarbeiten und kommunizieren wo wir eigentlich dran sind. Mein Blick geht dabei nicht auf etwas neues Spektakuläres sondern mehr und tiefer in die Feinheiten, in die Zartheit des Wesentlichen unserer Arbeit. Wir können vielleicht die Betriebskosten konsolidieren, aber der Freiraum selbst entzieht sich dieser trügerischen Sehnsucht, endlich doch handfeste Ergebnisse zu haben. Das, was sich ergibt, ist das, was der einzelne Mensch daraus macht und wir versuchen lediglich Bedingungen zu schaffen, damit Einzelne sich trauen, ihr Leben als Mensch zu beantworten.
Auf bald - mit vielen lieben Grüßen von Maria und Friedel,
Florian
Freitag in 3-Sat
Bedingungslos glücklich? Freiheit und Grundeinkommen
Dokumentation zum Start der Themenwoche „Sein oder Haben“
Freitag, 18. März 2011, 20.15 Uhr
Erstausstrahlung
"Was würden Sie arbeiten, wenn für Ihr Einkommen gesorgt wäre?": Auch in einer Zeit, in der man die großen Utopien ad acta gelegt hat, treiben neue soziale Ideen die Menschen rund um den Globus an. Die Idee eines bedingungslosen Grundeinkommens für alle Bürger eines Staates oder sogar für alle Menschen weltweit findet immer mehr Anhänger. Damit wären sie frei, bezahlt nur die Arbeit zu verrichten, die sie wirklich tun möchten, und könnten zugleich wichtige Arbeiten, die kaum oder gar nicht entlohnt werden, zum Wohle des Gemeinwesens umsonst leisten. Das stärkt die individuelle Verantwortung ebenso wie die gesellschaftliche Solidarität, sagen die Befürworter, und könnte auch zur Lösung der kommenden Wirtschafts- und Energiekrisen beitragen. In Deutschland und der Schweiz ist die Bewegung in den vergangenen Jahren stark gewachsen – das Engagement geht quer durch alle Parteien und Schichten. Im November 2010 beschäftigte sich sogar der Deutsche Bundestag mit einer Petition zum Grundeinkommen. Renommierte Institutionen haben bereits Modellrechnungen vorgelegt, die zeigen, dass Grundeinkommen auch finanzierbar ist. Erste Versuche im Ausland verliefen erfolgreich.
Die Dokumentation "Bedingungslos glücklich" von Sabine Jainski und Ilona Kalmbach beleuchtet die aktuelle Diskussion mit prominenten Befürwortern und Gegnern und zeigt, wie aus einer utopischen Idee ein sehr reales, neues Lebensgefühl heranwächst.
Weblog Jelle van der Meulen
Jelle van der Meulen aus Köln haben wir in einer Sitzung der Zukunftstiftung Soziales Leben der GLS Treuhand in Bochum vor zwei Jahren kennen gelernt. Das besondere an dieser Begegnung war, dass Jelle der einzige in der Runde aus Stiftungsräten, Geförderten und Bankleuten die uns noch nicht kannten war, der anscheinend keine Schwierigkeiten hatte, unseren Ausführungen über captura und den Freiraum zu folgen. Es war eher, als ob er bei unserer Initiative von Anfang an dabei gewesen war und vermittelte nur ein: "Ich weiß, wovon ihr erzählt."
Jelle hat mir im Januar ein paar Fragen gestellt, die ich ihm beantwortete. Er hat daraus einen Text für seinen Webblog gemacht, der im Februar veröffentlicht wurde:
http://jellevandermeulen.blogspot.com/2011/02/praktiken-einer-kultur-des-herzens.html
Florian Lück
Berufswege - die Tagung
Schon seit einigen Jahren beschäftigt uns die Frage, wie es junge
Menschen schaffen, etwas beruflich zu tun, was ihnen wirklich wichtig ist, was
sie unbedingt tun wollen.
Ausgehend von dem Dokumentarfilm „Berufswege“, in dem durch konkrete Beispiele
sichtbar gemacht wird, wie ein Beruf oder ein Berufsweg auch fernab der
Definition vom Arbeitsamt aussehen kann, wollen wir gemeinsam mit weiteren
Jugendlichen und jungen Erwachsenen an dieser Frage arbeiten.
Wir haben das Gefühl, dass es ganz viele Menschen sind, die sich die Frage der
Berufung, im heutigen Sinne und nicht im biblischen, neu stellen. Deshalb ist
es uns ein Anliegen, eine Möglichkeit zum Austausch zu schaffen. Uns
interessieren die Wege und Situationen von anderen jungen Menschen.
In typischer Berliner- Industriekulisse wollen wir einen Raum schaffen für
Gespräche und Begegnungen.
Wir wollen mit anderen Menschen gemeinsam nach Wegen und Formen der
Unterstützung suchen, wie man einerseits das findet, was man unbedingt tun will
und wie man dieses zu seinem Lebensmittelpunkt machen kann.
Warum stehst du
morgens aus?
Was ist dabei deine
Sehnsucht, deine Vision?
Wie kommst du da hin?
Wir laden dich ein, vom 20. bis 22. Mai nach Berlin zu kommen um mit anderen
jungen Leuten diese Fragen zu bewegen.
Wir sind Franziska Bauer, Dominik Fackler und Joshua Conens.
Weitere Infos unter: www.tagung.berufswege.com